Kino
Donnerstag, 28. Januar 2010
Es regnet Fast Food
Jörg Peter Löblein
Die Klimakatastrophe und ihre kulinarische Wendung in „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“.
Kommt durch den deutschen Dauerfrost jetzt also ein Filmchen hereingeschneit, das mit surrealistischer Nonchalance endlich mal zwei dauerbrennende Menschheits-Themen des beginnenden 21. Jahrhunderts knallbunt und kindgerecht kurzschließt: Wetter und Essen. Man hatte den Zusammenhang zwischen Klima und Nahrung dank Industrialisierung ja kurzzeitig ein wenig aus den Augen verloren: Jetzt spricht sich allmählich herum, dass der massenhafte Verzehr von Fast Food-Rindfleisch die Erderwärmung vorantreibt, weil immer mehr Regenwald für den Futtermittelanbau abgeholzt wird. Und wenn dann in diesem Computeranimationsfilm mit dem an sich idyllischen Titel „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ frische Burger in 3D vom Himmel regnen, dann darf man das zwar auch als wunderlichen psychedelischen Trip genießen, vor allem aber muss man es als leider gar nicht mal so abwegige Metapher für die reale Welt begreifen.
„Unter dem A von Atlantik“ findet sich auf der Weltkarte dieses Films eine kleine Insel, deren wichtigster Wirtschaftsfaktor eine Sardinen-Fabrik war. Als diese pleite ging, fanden sich die Menschen dort in einer sogenannten strukturschwachen Region wieder und mussten ihre restlichen Sardinen selbst verzehren. Doch dann verwandelt der junge, erfolglose Erfinder Flint Lockwood eher aus Versehen seine Heimat in eine Art Schlaraffenland 2.0: Seine Maschine, die aus Wasser Nahrung jeder Art herstellen kann, landet durch ein Malheur in den Wolken und verwandelt Niederschlag in Very Fast Food: Die Wetter- wird zur Speisekarte.
Der Pudding-Palast ist noch ein Traum: Man kann darin herumhopsen wie auf einem riesigen 3D-Trampolin und sich, wo immer es einem beliebt, ein Stückchen abbeißen. Die mit Eiskugeln verzierten Häuser sind putzig, im Freiluft-Restaurant hingegen, in dem die Steaks vom Himmel auf dem Teller knallen, wird’s schon langsam unheimlich. Mit dem Spaghetti-Tornado hört der Spaß dann auf, und die mit riesigen Erdnuss-Krokant-Splittern gespickte Schlucht sowie die haushohen menschenfressenden Brathähnchen sind dann ein einziger großer Kalorien-Albtraum. Man baut bereits Toastboote, um der kulinarischen Apokalypse zu entfliehen, der arme Flint muss derweil die Welt retten, als wäre er in einem Film von Roland Emmerich.
Hinter seiner karikaturverliebten und kalauerseligen Oberfläche bietet dieser von Phil Lord und Christopher Miller inszenierte Film dem kritischen Bewusstsein eine ganze Menge Wiedererkennungseffekte: Da bekommt ein Bürgermeister, offenbar Mitglied jener auch anderswo machthabenden Sekte von (Wirtschafts-)Wachstumsgläubigen, ordentlich sein Fett weg.
Eine TV-Praktikantin lernt, ihre Intelligenz nicht mehr hinter einer Dummchen-Fassade zu verbergen. Und weil Flints Vater immer in Fischereimetaphern spricht, die sein Sohn nicht versteht, ist auch noch eine kleine Kritik der uneigentlichen Rede in diesem Film versteckt. Am Ende hilft nur Klartext.
Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen - Cinemaxx, Neues Rundkino, UCI, Ufa, DD; Freiberg; Meißen; Pirna; Riesa
„Unter dem A von Atlantik“ findet sich auf der Weltkarte dieses Films eine kleine Insel, deren wichtigster Wirtschaftsfaktor eine Sardinen-Fabrik war. Als diese pleite ging, fanden sich die Menschen dort in einer sogenannten strukturschwachen Region wieder und mussten ihre restlichen Sardinen selbst verzehren. Doch dann verwandelt der junge, erfolglose Erfinder Flint Lockwood eher aus Versehen seine Heimat in eine Art Schlaraffenland 2.0: Seine Maschine, die aus Wasser Nahrung jeder Art herstellen kann, landet durch ein Malheur in den Wolken und verwandelt Niederschlag in Very Fast Food: Die Wetter- wird zur Speisekarte.
Der Pudding-Palast ist noch ein Traum: Man kann darin herumhopsen wie auf einem riesigen 3D-Trampolin und sich, wo immer es einem beliebt, ein Stückchen abbeißen. Die mit Eiskugeln verzierten Häuser sind putzig, im Freiluft-Restaurant hingegen, in dem die Steaks vom Himmel auf dem Teller knallen, wird’s schon langsam unheimlich. Mit dem Spaghetti-Tornado hört der Spaß dann auf, und die mit riesigen Erdnuss-Krokant-Splittern gespickte Schlucht sowie die haushohen menschenfressenden Brathähnchen sind dann ein einziger großer Kalorien-Albtraum. Man baut bereits Toastboote, um der kulinarischen Apokalypse zu entfliehen, der arme Flint muss derweil die Welt retten, als wäre er in einem Film von Roland Emmerich.
Hinter seiner karikaturverliebten und kalauerseligen Oberfläche bietet dieser von Phil Lord und Christopher Miller inszenierte Film dem kritischen Bewusstsein eine ganze Menge Wiedererkennungseffekte: Da bekommt ein Bürgermeister, offenbar Mitglied jener auch anderswo machthabenden Sekte von (Wirtschafts-)Wachstumsgläubigen, ordentlich sein Fett weg.
Eine TV-Praktikantin lernt, ihre Intelligenz nicht mehr hinter einer Dummchen-Fassade zu verbergen. Und weil Flints Vater immer in Fischereimetaphern spricht, die sein Sohn nicht versteht, ist auch noch eine kleine Kritik der uneigentlichen Rede in diesem Film versteckt. Am Ende hilft nur Klartext.
Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen - Cinemaxx, Neues Rundkino, UCI, Ufa, DD; Freiberg; Meißen; Pirna; Riesa








