Kino
Freitag, 9. Juli 2010
Die Welt ist alles Mögliche
Jörg Peter Löblein
Mit beträchtlichem erzählerischen Aufwand nimmt sich Jaco Van Dormaels Film „Mr. Nobody“ eines wahrlich universellen Themas an: Er handelt von allem Möglichen. Der Titelheld (Jared Leto) lässt auf seinem Sterbebett im Jahre 2092 – er ist nach der Entdeckung der unendlichen Zellerneuerung der letzte sterbliche Mensch auf Erden – sein Leben Revue passieren, entpuppt sich dabei jedoch als äußerst unzuverlässiger Erzähler: Hat er sich als Neunjähriger nach der Scheidung seiner Eltern für seinen Vater oder für seine Mutter entschieden? Mit welchem der drei Mädchen aus seiner Nachbarschaft hat er denn nun den Bund fürs Leben geschlossen? Und ist er nicht eigentlich längst bei einem Autounfall gestorben?
Mr. Nobody legt sich nicht fest, er behauptet die Wahrheit jeder einzelnen Lebensvariante. Denn Mr. Nobodys Welt ist alles, was der Fall sein könnte. Und so gibt es nicht nur allerlei unglückliche Lieben, sondern auch eine Mars-Reise, surrealistischen Kitsch und Schmetterlingseffekte. Wie der belgische Regisseur Van Dormael („Toto der Held“, „Am achten Tag“) die vielen Erzählstränge über Räume und Zeiten hinweg verwebt, ist schlichtweg meisterlich, auch wenn er sich Prägnanz oft durch visuelle Sterilität erkauft. Der gedankliche Ertrag des Experiments aber bleibt dürftig: Das Leben ist voller Entscheidungen, und ob wir sie später richtig nennen oder falsch, entscheidet meist der Zufall. Am besten, man versöhnt sich damit. Sollen wir also heute ins Kino gehen?
Mr. Nobody - Schauburg, DD
Mr. Nobody legt sich nicht fest, er behauptet die Wahrheit jeder einzelnen Lebensvariante. Denn Mr. Nobodys Welt ist alles, was der Fall sein könnte. Und so gibt es nicht nur allerlei unglückliche Lieben, sondern auch eine Mars-Reise, surrealistischen Kitsch und Schmetterlingseffekte. Wie der belgische Regisseur Van Dormael („Toto der Held“, „Am achten Tag“) die vielen Erzählstränge über Räume und Zeiten hinweg verwebt, ist schlichtweg meisterlich, auch wenn er sich Prägnanz oft durch visuelle Sterilität erkauft. Der gedankliche Ertrag des Experiments aber bleibt dürftig: Das Leben ist voller Entscheidungen, und ob wir sie später richtig nennen oder falsch, entscheidet meist der Zufall. Am besten, man versöhnt sich damit. Sollen wir also heute ins Kino gehen?
Mr. Nobody - Schauburg, DD








