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Kino

Donnerstag, 3. Juni 2010
(Sächsische Zeitung)

Die Unvollendete


„Vergebung“ beendet notgedrungen die „Millennium“-Trilogie nach Stieg Larsson.

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Lisbeth Salander (Noomi Rapace) vor Gericht. Foto: Yellow Bird Pictures

Lisbeth Salander sieht schlechter aus als am Beginn des zweiten Teils. In „Verdammnis“ stieg die kleine Frau noch nackt aus einem Hotelbett an der Karibik, das sagenhafte Ganz-Rücken-Tattoo schwang sich mit ihr drohend in die Höhe. Jetzt aber liegt sie angeschossen mit blutigem Kopf in einem Rettungshubschrauber. Was vielleicht noch schlimmer ist: Zala, ihr verhasster Vater, liegt neben ihr. Lebend. Eine Axt war nicht genug. „Danke, dass du mein Freund gewesen bist“ hatte Computergruftie Lisbeth per Mail dem Enthüllungsjournalisten Mikael Blomkvist mitgeteilt, bevor sie aufs Land fuhr, um „die Sache“ zu beenden. Alexander „Zala“ Zalachenko ist nicht nur Lisbeths Erzeuger und der Peiniger ihrer Mutter, er war Sowjet-Spion in schwedischen Staatsdiensten. Auch diese Sache muss beendet werden.

Das ZDF als Ko-Produzent hatte ein Eigenleben der „Millennium“-Trilogie im Kino erhofft, während sich Stieg Larssons Taschenbücher weiterhin wie warmes Brot verkaufen oder von Hand zu Hand gehen. Die Aufführung im Zweiten hat man also gern verschoben. Zwei biografische Bände über den Autor konnten dem Erfolg nichts anhaben. Das eine – von Larssons Freund Kurdo Baksi geschrieben – rüttelt am Ansehen des noch vor dem großen Ruhm gestorbenen Autors. Das andere – Jan-Erik Peterssons „ Eine politische Biografie“ – gleicht einer Rehabilitierung.

„Vergebung“ ist die zweite „Millennium“-Folge von Regisseur Daniel Alfredsson. Er und Drehbuchautor Ulf Rydberg hatten erneut Handlung abzuspecken, ohne Vorzüge aufzugeben: Erzählen, statt zu illustrieren, auf innere Spannung statt äußere Thriller-Mus-ter setzen, wenngleich sie optisch allein durch das Format (kein Cinemascope wie in Niels Arden Oplevs „Verblendung“) eingeschränkt sind.

Die durch Blomkvist forcierte Aufklärung von Salanders Unschuld ist zentrale Achse, jetzt, wo Lisbeth zunächst unter Verschluss im Bett liegt. Ihr werden Morde zur Last gelegt, doch im Grunde geht es um die dunklen Linien in Lisbeths Kindheit. Verstrickungen des Staates werden mehr und mehr offensichtlich, kommen aber eher peripher vor. Dem Nicht-Leser dürfte es schwerfallen, gerade den altgedienten Beamten ihre Motivationen abzukaufen. Blessuren bekommt der Film (wie schon die Bücher) zudem, wenn er sich mit einer über Gebühr konstruierten Figur beschäftigen muss: Salanders Halbbruder Ronald Niedermann stürzt als tumber, schmerzresistenter Hüne umher und könnte eher einem Mittelalter-Comic entsprungen sein denn einem brillanten gesellschaftspolitisch relevanten Krimi. Genau das ist „Millennium“. Das Vage in der sehr speziellen Beziehung zwischen dem Journalisten und der Hackerin behält bis zum Schluss eine eigene Note.

Besonders hier ist die Trilogie im besten Sinne eine Unvollendete. Es wird seine Reize haben, die großartigen Noomi Rapace und Michael Nyqvist in ihren nächsten Kinorollen zu erleben, dann, wenn sie aus Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist „herausgestiegen“ sind. Andreas Körner

Wertung: x x x x x x
Programmkino Ost, DD



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