Kino
Donnerstag, 11. Februar 2010
(Sächsische Zeitung)
(Sächsische Zeitung)
Die Götter Potterlands
Mit „Percy Jackson – Diebe im Olymp“ wird eine weitere Fantasybuchreihe verfilmt.
Da lag Schiller wohl doch etwas daneben, als er im Jahre 1788 vorschnell das Verschwinden der antiken Götterwelt beklagte: „Ausgestorben trauert das Gefilde/ Keine Gottheit zeigt sich meinem Blick“. Denn wie wir nun erfuhren, sind die Götter Griechenlands gar nicht weggegangen aus der realen Welt, sie sind nur umgezogen: Empire State Building, New York, U.S.A, 600. Stock. Unter dieser Adresse ist ab sofort der Olymp zu erreichen. Der Eingang zur Unterwelt liegt jetzt übrigens in Hollywood, Los Angeles. Das ist immerhin mal eine Pointe. Und einen neuen Halbgott, mit dessen staunenden Augen wir dies alles kennenlernen, gibt es auch, in Gestalt eines Schülers nämlich, dessen Leseschwäche und hyperaktives Aufmerksamkeitsdefizit gar keine karrierehemmenden Gebrechen, sondern überaus nützliche Symptome seiner göttlichen Abstammung sind.
Solches hat der US-amerikanische Mythologie-Lehrer Rick Riordan seinem an Legasthenie leidenden Sohn als Gutenachtgeschichte erzählt, und weil die offenbar gut ankam, machte Riordan daraus im Jahr 2005 ein Buch. Heute umfasst die in den USA recht erfolgreiche „Percy Jackson“-Reihe fünf Bände, hier erscheinen die Romane in jenem Verlag, der auch die deutschen „Harry Potter“-Ausgaben besorgte, und wenn man jetzt noch die Silben in den Namen der beiden Titelhelden durchzählt, dann begreift man allmählich, wohin die mythologische Reise eigentlich gehen soll.
Die Regie bei der Verfilmung des ersten Halbgötter-Romans „Percy Jackson – Diebe im Olymp“, die nun in die Kinos kommt, übernahm denn auch Chris Columbus, der bereits dem Zauberlehrling auf die Leinwand verholfen hatte. Anders als bei Potter gönnt er sich hier allerdings viele Freiheiten gegenüber der Vorlage. Leider. Die schlichte, aber nicht uncharmante Pennäler-Perspektive des Buches beispielsweise ersetzt Columbus weitgehend durch plumpes Hollywood-Pathos, was dem mythologischen Witz, den diese Saga eigentlich hätte, gar nicht bekommt. Wie Harry Potter auch stehen Percy (Logan Lerman) ein Kumpel und ein Mädchen zur Seite, wenn er sich nach kurzer Kampfausbildung im Halbgötter-Camp (Leitung: Pierce Brosnan als Zentaur mit Bart und Pferdeunterleib) auf die Suche nach der gestohlenen Blitzschleuder des Zeus und seiner von Hades entführten Mutter macht. Uma Thurman als Medusa in einem Skulpturengarten, eine vielköpfige computergenerierte Hydra im Parthenon-Nachbau von Nashville sowie weltvergessene Lotusblüten-Esser in Las Vegas kreuzen seinen Weg.
Und doch scheint dem Film jegliche Freude zu fehlen am anachronistischen Wiederauflesen der alten Geschichten um Perseus, Herakles oder Odysseus in der Neuen Welt, weil er hastig auf dem ausgetretenen Pfad seiner Computerspieldramaturgie voranhechelt, auf dem eben ein paar Monster plattzumachen sind. Wie dichtete Schiller einst so tröstlich: „Und die Sonne Homers, siehe! Sie lächelt auch uns.“ Nur nicht im ausgelaugten Schattenreich des Herrn Columbus. Jörg Peter Löblein
Cinemaxx, Neues Rundkino, UCI, Ufa, DD; Freiberg; Gröditz; Großenhain; Meißen; Pirna; Riesa
Solches hat der US-amerikanische Mythologie-Lehrer Rick Riordan seinem an Legasthenie leidenden Sohn als Gutenachtgeschichte erzählt, und weil die offenbar gut ankam, machte Riordan daraus im Jahr 2005 ein Buch. Heute umfasst die in den USA recht erfolgreiche „Percy Jackson“-Reihe fünf Bände, hier erscheinen die Romane in jenem Verlag, der auch die deutschen „Harry Potter“-Ausgaben besorgte, und wenn man jetzt noch die Silben in den Namen der beiden Titelhelden durchzählt, dann begreift man allmählich, wohin die mythologische Reise eigentlich gehen soll.
Die Regie bei der Verfilmung des ersten Halbgötter-Romans „Percy Jackson – Diebe im Olymp“, die nun in die Kinos kommt, übernahm denn auch Chris Columbus, der bereits dem Zauberlehrling auf die Leinwand verholfen hatte. Anders als bei Potter gönnt er sich hier allerdings viele Freiheiten gegenüber der Vorlage. Leider. Die schlichte, aber nicht uncharmante Pennäler-Perspektive des Buches beispielsweise ersetzt Columbus weitgehend durch plumpes Hollywood-Pathos, was dem mythologischen Witz, den diese Saga eigentlich hätte, gar nicht bekommt. Wie Harry Potter auch stehen Percy (Logan Lerman) ein Kumpel und ein Mädchen zur Seite, wenn er sich nach kurzer Kampfausbildung im Halbgötter-Camp (Leitung: Pierce Brosnan als Zentaur mit Bart und Pferdeunterleib) auf die Suche nach der gestohlenen Blitzschleuder des Zeus und seiner von Hades entführten Mutter macht. Uma Thurman als Medusa in einem Skulpturengarten, eine vielköpfige computergenerierte Hydra im Parthenon-Nachbau von Nashville sowie weltvergessene Lotusblüten-Esser in Las Vegas kreuzen seinen Weg.
Und doch scheint dem Film jegliche Freude zu fehlen am anachronistischen Wiederauflesen der alten Geschichten um Perseus, Herakles oder Odysseus in der Neuen Welt, weil er hastig auf dem ausgetretenen Pfad seiner Computerspieldramaturgie voranhechelt, auf dem eben ein paar Monster plattzumachen sind. Wie dichtete Schiller einst so tröstlich: „Und die Sonne Homers, siehe! Sie lächelt auch uns.“ Nur nicht im ausgelaugten Schattenreich des Herrn Columbus. Jörg Peter Löblein
Cinemaxx, Neues Rundkino, UCI, Ufa, DD; Freiberg; Gröditz; Großenhain; Meißen; Pirna; Riesa







