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Kino

Mittwoch, 30. September 2009

Des Nordens kalte Schulter

Andreas Körner

Mit „Verblendung“ kommt der erste Stieg-Larsson-Krimi ins Kino

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Journalist Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) gerät in die schwedische Bredoullie. Foto: NFP

Im Online-Portal einer großen deutschen Tageszeitung gibt es zum Thema einen wundersamen „weiterführenden Link“ mit dem Titel „Lernen Sie hier, einen Bestseller zu schreiben.“ Stieg Larsson hat es bereits getan – auch ohne Link. Der schwedische Enthüllungsjournalist gehört mit seiner „Millennium“-Trilogie zu den meistgelesenen europäischen Krimi-Autoren. 15 Millionen verkaufte Bücher in 15 Ländern (neu erschienen als Taschenbuch bei Heyne/Random House) sprechen im wahrsten Sinne des Wortes Bände. Nur hatte er selbst nichts vom Erfolg: Larsson starb 2004 im Alter von 50 Jahren an einem Herzinfarkt, vermutlich aufgrund von Überarbeitung. „Verblendung“ als erster der ursprünglich auf zehn Teile angelegten Serie erschien zwei Jahre später.

Larsson hat sich selbst als Alter Ego in die Handlung gebracht. Sein Journalist Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) mag es brandgefährlich. Ihn reizen die gesellschaftlichen Krusten und sozialen Herde unterm beschaulichen schwedischen Stern. Gerade hat er einen dicken Fisch an die Leine geholt, als er wegen Verleumdung verklagt wird. Die Haftstrafe ist in einem halben Jahr anzutreten. Bis dahin wird Blomkvist als Privatermittler beschäftigt. Patriarch Henrik Vanger (Sven-Bertil Taube) engagiert ihn, um ein letztes Mal nach seiner Lieblingsnichte Harriet suchen zu lassen. Sie verschwand vor 40 Jahren. Seitdem bekommt Henrik jedes Jahr zum Geburtstag eine getrocknete Blume im Rahmen. Vom Entführer? Von Harriet? Vom Mörder?

Blomkvist zieht in ein kleines Holzhaus nahe des Vangerschen Familiensitzes auf der Insel Hedeby und taucht ein in die graue und grausame Vergangenheit. Die fesche Computer-Hackerin Lisbeth Sander (Noomi Rapace) wird dabei zu seiner Partnerin mit eigener schräger Vergangenheit, wobei sie zunächst wie eine von außen installierte Querulantin aussieht und sich auch demgemäß verhält. Schnell sind die beiden Ungleichen im Stoff, ebenso schnell sind die Verhinderer auf ihrer Spur. Nach und nach und wieder einmal verdichtet sich das Dunkle im Menschen.

Könnte gut sein, dass der Regisseur des Films jetzt zu kurz kommt. Aber auch der Däne Niels Arden Oplev hat so wie Autor Stieg Larsson gute Arbeit geleistet. Er beweist, dass man 150 Minuten lang eine klassische Krimigeschichte im wahrs-ten Sinne erzählen kann und sich nicht in billigen visuellen Thriller-Effekten verstricken muss. Er schuf klar kalkuliertes Genrekino, solches, das Wert auf innere Spannung legt, auf straffe Inszenierung, lebendige Typen und eine eindeutige Gliederung. Die Bilder sind stark besonders dann, wenn der Norden seine kalte Schulter zeigt. Und die Gesichter? Sind frisch und voller Spuren.

Auch die restlichen beiden „Millennium“-Teile sind inzwischen abgedreht und harren ihrer Veröffentlichung. Ob es wieder zunächst im Kino geschieht, bevor das ZDF als Co-Produzent die Ausstrahlung ansetzt, hängt ursächlich vom Erfolg der „Verblendung“ ab. Leinwandtauglich ist er unbedingt.

Verblendung - Cinemaxx, Programmkino Ost, UCI, Ufa, DD


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