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Kino

Donnerstag, 22. Juli 2010
(Sächsische Zeitung)

Der gemeine Grieche

Von Christina Wittich

„Kleine Wunder in Athen“ von Filippos Tsitos blendet auf die Mentalität der hellenischen Männer.

Wochentags in der Sonne: Der Grieche an sich beim Beobachten. Foto: Neue Visionen

Kaurismäki in Athen: Vier kauzige Typen sitzen an einem leidlich heruntergekommenen Platz irgendwo in der griechischen Hauptstadt und bringen den Tag rum. Kioskbetreiber Stavros (Antonis Kafetzopoulus) leidet an Schlaflosigkeit und betreut seine nach einem Schlaganfall im Dämmerzustand vor sich hin vegetierende Mutter. Seine drei Freunde und der Hund Patriot beobachten vor dem Kiosk das emsige Treiben der Chinesen in ihrer Straße, die einen Laden für italienische Designermode eröffnen wollen. Ein bisschen wacher werden sie erst, als mitten auf ihrem Platz ein Denkmal für „Interkulturelle Solidarität“ gebaut werden soll. Nicht nur, weil dadurch ihre improvisierten Fußballspielchen behindert würden. Stavros und seine Kumpel verjagen die albanischen Arbeiter und erklären ihnen und dem Denkmal den Krieg: „Ihr baut auf, wir bauen ab!“

Der in Berlin lebende griechische Regisseur Filippos Tsitos zoomt mit „Kleine Wunder in Athen“ hinein in einen hellenischen Mikrokosmos, um des griechischen Mannes Mentalität zu erklären. Nicht sehr schön ist, was er zutage bringt: Lethargisch in der Schaffenskraft, voll Einfallsreichtum in der Abwehr des Fremden zeigen sich die vier Herren vom Kiosk. „Albaner – ihr werdet niemals Griechen sein!“ ist ihr Schlachtruf nicht nur beim Fußball. Doch dann taucht eines Tages Marengelen auf (sein Name setzt sich zusammen aus Marx, Engels und Lenin), ein Albaner, den Stavros’ sieche Mutter als ihren zweiten Sohn erkennt, den sie bei der Flucht aus Albanien zurücklassen musste. Da schwankt der griechische Fels, als er erfährt, dass womöglich auch er Teil des Anderen sein könnte. Der höfliche Marengelen (Anastasis Kozdine) sitzt fortan am Tisch der alten Dame und wird mit Nudeln gefüttert. Er führt die neue Familie aus in ein albanisches Restaurant, und Stavros muss nicht nur passen, als er den Text eines beliebten Volksliedes nicht kennt und auch die Zeichen an der Toilettentür nicht zu deuten weiß.

Regisseur Tsitos setzt Stavros’ Erschütterung und anschließende Suche nach der Identität mit ausgesprochen ausgeglichenen Bildern um. Alles um den Kioskbesitzer ist ein bisschen verwahrlost, ein bisschen schmuddelig. Nur seine Mutter nicht. Den belehrenden Holzhammer packt der Regisseur erst aus, als er seine Protagonisten abschließend erkennen lässt, dass die Nationalität wahrlich nicht das Entscheidende am Menschen ist. Und da ist er dann auch nötig, der Hammer.

Wertung: x x x x x x
Programmkino Ost, Schauburg, DD




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