Kino
Mittwoch, 16. Dezember 2009
Bis einer heult
Christina Wittich
„Wo die wilden Kerle wohnen“ ist eine verspielte und wunderbar erzählte Kinderbuchverfilmung.
Dumm, dass Familie Ochsenknecht die Worte „wild“ und „Kerl“ mit eher mittelmäßigen Teenagerfilmen besetzt hält. Das wird es diesem Schmuckstück der Kinderbuchverfilmung um einiges schwerer machen, sein Publikum zu finden. Einige aber werden sich erinnern. Da war etwas, das rauer ist, gefährlicher, ursprünglicher und verträumter als alles Ochsenknechtige: „Wo die wilden Kerle wohnen“ ist der deutsche Titel des amerikanischen Kinderbuchklassikers „Where the wild things are“. 1963 veröffentlichte Autor und Grafiker Maurice Sendak die Geschichte vom tagträumenden Max und seinen Monstern.
Spike Jonze hat sie fürs Kino adaptiert. Der Regisseur, der den Zuschauer 1999 mit „Being John Malkovich“ auf einen irren Trip durch das Hirn des Schauspielers geschickt hatte, begibt sich nun auf die Reise, das Seelenleben eines Kindes zu erforschen. „Ich wollte keinen Kinderfilm machen, sondern einen Film über die Kindheit“, sagt Jonze. Gelungen.
Der 40-Jährige, der selbst überall und nirgends zu Hause scheint – im Film, in der Fotografie, im Musikclip – hat es geschafft, den Geist des Buches zu erhalten. Das gelingt ihm schon allein dadurch, dass er seine Zwei-Meter-Monster von Schauspielern in überdimensionalen Kostümen spielen lässt und lediglich ihre Gesichter am Computer animiert. Das ist zwar aufwendiger, macht sich aber bezahlt.
Die Geschichte selbst umfasst bei Sendrak nur wenig mehr als 300 Worte und ist schnell erzählt: Max (Max Records), neun Jahre, Scheidungskind, fühlt sich von seiner Mutter (Catherine Keener) und der pubertierenden Schwester Claire (Pepita Emmerichs) zu wenig beachtet. Nach einem Streit büchst er aus und schippert zur Insel, auf der die wilden Kerle wohnen. Die ernennen ihn zu ihrem König, Max soll dafür sorgen, dass alle glücklich sind. Er merkt bald, dass das so einfach nicht ist.
Als Familienaufstellung mit Monstern, Psychotherapie mit Plüschtieren könnte man die Geschichte auch deuten. Oder als Actionfilm für Kinder. Jedenfalls keine leichte Kost – wie das Buch auch. Die voluminösen Fellviecher rennen durch die Botanik und balgen sich ungehemmt, mit großer Freude an der Randale. Bis einer heult. Aber auch das gehört zu einer ordentlichen Kindheit dazu.
„Wo die wilden Kerle wohnen“ - Cinemaxx, Schauburg, UCI, Ufa, DD; Freiberg
Spike Jonze hat sie fürs Kino adaptiert. Der Regisseur, der den Zuschauer 1999 mit „Being John Malkovich“ auf einen irren Trip durch das Hirn des Schauspielers geschickt hatte, begibt sich nun auf die Reise, das Seelenleben eines Kindes zu erforschen. „Ich wollte keinen Kinderfilm machen, sondern einen Film über die Kindheit“, sagt Jonze. Gelungen.
Der 40-Jährige, der selbst überall und nirgends zu Hause scheint – im Film, in der Fotografie, im Musikclip – hat es geschafft, den Geist des Buches zu erhalten. Das gelingt ihm schon allein dadurch, dass er seine Zwei-Meter-Monster von Schauspielern in überdimensionalen Kostümen spielen lässt und lediglich ihre Gesichter am Computer animiert. Das ist zwar aufwendiger, macht sich aber bezahlt.
Die Geschichte selbst umfasst bei Sendrak nur wenig mehr als 300 Worte und ist schnell erzählt: Max (Max Records), neun Jahre, Scheidungskind, fühlt sich von seiner Mutter (Catherine Keener) und der pubertierenden Schwester Claire (Pepita Emmerichs) zu wenig beachtet. Nach einem Streit büchst er aus und schippert zur Insel, auf der die wilden Kerle wohnen. Die ernennen ihn zu ihrem König, Max soll dafür sorgen, dass alle glücklich sind. Er merkt bald, dass das so einfach nicht ist.
Als Familienaufstellung mit Monstern, Psychotherapie mit Plüschtieren könnte man die Geschichte auch deuten. Oder als Actionfilm für Kinder. Jedenfalls keine leichte Kost – wie das Buch auch. Die voluminösen Fellviecher rennen durch die Botanik und balgen sich ungehemmt, mit großer Freude an der Randale. Bis einer heult. Aber auch das gehört zu einer ordentlichen Kindheit dazu.
„Wo die wilden Kerle wohnen“ - Cinemaxx, Schauburg, UCI, Ufa, DD; Freiberg








