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Kino

Mittwoch, 4. November 2009

Aufs Kreuz gelegt

Andreas Körner

Zwischen Lüge und Größenwahn, FBI und seiner Firma: Matt Damon ist „Der Informant!“.

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Maulwurf auf zwei Seiten: Matt Damon als Mark Whitacre. Foto: Warner

Ist der dick, Mann! Schlappe zusätzliche 15 Kilogramm Körpergewicht musste sich Matt Damon für die Rolle des Mark Whitacre antun. Mais jedenfalls half dabei nicht, eher Pizza und Bier. Um Mais aber geht es. Whitacre ist beim Lebensmittelkonzern ADM in einer leitenden Position als Biochemiker angestellt. Er macht einen biederen Eindruck, trägt Toupet, eine Kassen-Brille, sein nettes Häuschen beherbergt eine hübsche Frau und ein properes Kind. Whitacre ist angesehen, und in den guten Stunden vom Tag rechnet er sich schon mal das Datum aus, an dem er es zum Präsidenten des Unternehmens gebracht haben könnte. Ehrgeiz aber sieht anders aus, er versucht es mit übereifriger Korrektheit. So wie es scheint.

Lysin heißt das Zauberwort. Ein Lebensmittelzusatzstoff, der insbesondere Mais resistent gegen Erreger macht. ADM scheffelt weltweit Gewinne damit, bis zum Tag X, als diese Gewinne mehr und mehr ausbleiben. Die Japaner sind schuld. Sagt Whitacre seinen Chefs. Er habe Kontakt mit einem Mittelsmann und könnte, gegen einen nicht geringen Betrag, das Einlenken der ach so bösen Asiaten bewirken. Alles aber müsse ausschließlich über ihn laufen. Schnell ist das FBI informiert und sein Telefon angezapft. Der Deal kommt in die Gänge. Mark Whitacre, der Gute.

Bis sich der Gute zu nächtlicher Stunde FBI-Agent Shepard schnappt und ihm in dessen Auto wiederum von illegalen ADM-Praktiken berichtet, bei denen es um internationale Preisabsprachen geht. Er habe die Beweise. Alles aber müsse ausschließlich über ihn laufen …

Jetzt bekommt der Whitacre-Kreisel seine unaufhaltsamen Umdrehungen. Der ach so Naive entpuppt sich als Katz-und-Maus-Dompteur, als Lügenbaron und Größenwahnsinniger, als Spieler, Narr und Närrischer – besser, als „0014, denn ich bin doppelt so clever wie 007“. Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte (weit vor Michael Moore).

Steven Soderbergh, und das ist wohl das Entscheidende an dieser dialogreichen, zunehmend schwarz eingefärbten Komödie, zieht den gesamten Unterhaltungswert aus einer im Grunde sehr bitteren, noch dazu in weiten Teilen wahren Geschichte eines Mannes, der aufs Kreuz legen will und selbst in dieser Stellung landet. Fluffige Musik wie aus einem bonbonbunten Kindermusical und die akustische Reise in Whitacres manchmal ausschweifend-abstruse Gedankenwelt via Off-Ton sind dabei wirksame Zutaten. Soderbergh weiß, dass er sehr lustvoll um seine ideal besetzten Darsteller kreisen kann, um Matt Damon im Besonderen. Er darf in seinem fünften Soderbergh-Film die erste Hauptrolle spielen und sich mittlerweile wieder am Normalgewicht erfreuen. Vielleicht half diesmal ja Mais.

Der Informant - Metropolis, DD


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