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„Troubled Water“ ist ein kleines Meisterwerk über die Frage nach Schuld und Vergebung.
Ach, was wäre das Leben einfach, wäre alles schwarz oder weiß, böse oder gut. Aber die Wirklichkeit ist nicht so: Da hat jedes Ding zwei Seiten, mindestens. Ein reißender Fluss kann ein schöner Anblick sein, aber auch ein gefährlicher Spielplatz. Acht Jahre Gefängnisstrafe sind lang für den Totschläger, aber kurz für die Mutter, die über den Tod ihres Sohnes hinwegzukommen versucht. Mit „Troubled Water“, dem dritten Teil einer Oslo-Trilogie, zeigt ... mehr
„Erzähl’ mir noch mal die Geschichte vom Fischkind“, bittet Lala ihre Freundin. „Aber das habe ich doch schon 100 Mal gemacht“, antwortet Guayi. Und beginnt trotzdem. Es geht unter Wasser, auf den Grund eines Sees, der so etwas wie einen Schrein beherbergt. Alles Fantasie? Jungmädchenträume?
Das lateinamerikanische Kino ist dann stark, wenn es wirklich lateinamerikanisch ist, besonders also, mit sehr eigener Erzähl- und Bildsprache, ... mehr
In „Everybody’s Fine“ verliert Robert De Niro als Rentner seine Illusionen.
Der alte Mann mäht den Rasen, wienert sein Haus auf Hochglanz, kauft einen Super-Grill, Steaks und guten Wein. Der Witwer erwartet den Besuch seiner vier wohlgeratenen Kinder. Doch als sie nacheinander telefonisch absagen, packt der herzkranke Rentner sein Köfferchen, um sie seinerseits heimzusuchen. Anders aber als es der Titel besagt, geht es seinen Kindern keineswegs gut. Doch das muss Frank selbst herausfinden.
"Die Fremde": Feo Aladags starkes Debüt zeigt eine ebenso starke Sibel Kekilli.
Wieder ein Film, der das Ende einer starken Geschichte schon am Anfang verrät? Kein Zuschauer sollte sich vom Beginn abschrecken lassen, denn nichts ist verraten. Regisseurin Feo Aladag gibt ihr Debüt in keiner Minute aus der Hand. Nicht in den ersten, als sie präzise ins Geschehen einführt, nicht in den letzten, als sie einen unerwarteten Schock setzt, der nur allzu konsequent ist. Mit „Die Fremde“ gelingt Aladag eines der beein-druckendsten Erstlingswerke, ... mehr
Sie kreischen in Prag und München, Stockholm und Transsylvanien. Heavy-Metal-Fans bringen ihren Namen noch über ihre Lippen: „Anviiiiiil!“ Es sind 34 oder 74. Manchmal auch 174. Zu mehr reicht es vorläufig nur noch ein einziges Mal. In Japan. Der Rest ist für Steve „Lips“ Kudlow und Robb Reiner ein Minenfeld zwischen Hoffen und Aufgeben. Im Grunde seit 37 Jahren.
Der Engländer Sacha Gervasi hat ein Faible für die (Anti-)-Helden seines ... mehr
Jacques Audiards „Ein Prophet“ ist ein brillanter Gefängnis-, Gangster- und Gespensterfilm.
Wie aus einer Betäubung scheint dieser Film zu erwachen. Allmählich dämmert er auf aus dem Schwarz und taumelt wie in Trance hinein in eine Welt, in der man nicht weiß, wie einem geschieht. Malik El Djebana (Tahar Rahim) ist 19, Franzose arabischer Abstammung, und soeben tritt er eine sechsjährige Haftstrafe an. Seine Vorgeschichte bleibt im Dunkeln, es ist, als käme der Film direkt aus jenem Nichts, welches das Leben seines Protagonisten bisher war, ... mehr
Sogar Gott bekommt 5000 Dinar zugesprochen. Die Männer zweier verfeindeter arabischer Familien sitzen in einem Zimmer, trinken Kaffee und erhitzen sich über die Höhe des Schuldgeldes. Es geht nicht um ein Pferd, es geht um ihre Zukunft. Könnte sein, sie währt nur drei
Tage. In Ajami, einem Stadtteil von Jaffa, der ein Stadtteil von Tel Aviv ist.
Das Regieduo ist exemplarisch für das Projekt: Scandar Copti ist arabischer Christ, Yaron ... mehr
„Parkour“: Wie es ist, wenn man über Wände klettern kann, aber am Alltag scheitert.
Dies ist kein Film über eine angesagte Sportart, auch wenn er „Parkour“ heißt. Zwar legt der Titel nahe, es handle sich um den innerstädtischen Hindernislauf – immer auf dem direktesten Weg über Mauern und Abgründe zum Ziel, schnell, präzise und waghalsig. Aber Regisseur und Co-Autor Marc Rensing fasst den Begriff weiter. Den Sport nutzt er als Klammer und Metapher. Klammer ist er für die Freunde Richie (Christoph Letkowski), Nonne (Marlon Kittel) ... mehr
„Männer, die auf Ziegen starren“ darf einfach nur ein köstliches Vergnügen sein.
Hochkonjunktur für drei Schauspieler, an denen man sich einfach nicht satt sehen will: Jeff Bridges, Ewan McGregor und George Clooney. Als sei es ein besonderes Glück, sind ausnahmslos alle derzeitig aufgeführten Kinostücke mit ihnen nicht nur sehens- sondern vor allem lohnenswert. Beste Unterhaltung.
Im Falle „Männer, die auf Ziegen starren“ – der den inoffiziellen Hauptpreis für den besten Titel schon so früh im Jahr „geschossen“ hat ... mehr
Matti Geschonnecks „Boxhagener Platz“ ist endlich mal kein Geschichtsunterricht über die DDR.
Es geht also doch: Ein Film über die DDR, der sich und seine Helden nicht rettet, indem er über die letzten Zuckungen der Deutschen Demokratischen Republik hinüber in den Westen gleitet. Keine Komödie wie „Sonnenallee“, „NVA“ oder „Liebe Mauer“, kein Rückblick wie „Good Bye Lenin!“, kein Stasi-Thriller wie „Das Leben der Anderen“. Kurz: kein Geschichtsunterricht.
Matti Geschonnecks Film ist eine Liebeserklärung an einen Ort der Kindheit. ... mehr
Ketzerische Frage: Kämen Franzosen auf die Idee, einen opulenten Film über den Bauernkrieg in Deutschland zu drehen? Jo Baier (Stauffenberg, Der Laden) jedenfalls stand als Regisseur einer wahrhaft immens angelegten deutsch dominierten Produktion über das Frankreich des 16. Jahrhunderts vor. Nach 155 Minuten ist man klüger.
Protestanten kämpfen gegen Katholiken, Königin Katharina de Medici herrscht mit gestrenger Miene, während sich ... mehr
Die Dokumentation „Unsere Ozeane“ zeigt Medusenqualle, Zahnlippfisch und Löcherkrake.
Ach, diese Kinderfragen! „Was ist ein Ozean?“, will der Enkel vom Großvater wissen. Da hat sich der Junge an den Richtigen gewandt: Denn Opa Jacques Perrin ist Spezialist für Naturfilme. Anstatt eine kurze und bündige Antwort zu geben, hat er sich vier Jahre vorbereitet und dann zwei Jahre lang mit drei Teams an 54 Orten der Weltmeere gedreht. Die filmische Antwort dürfte nicht nur den Enkel zufriedenstellen. Denn „Unsere Ozeane“ bietet eine Sinfonie ... mehr
Rob Marshalls Film-Musical „Nine“ verkümmert an seiner eigenen Belanglosigkeit.
Nun sind sie also zwei. Zwei angesehene und erwiesenermaßen begnadete Schauspieler, die zuletzt ritterlich scheiterten, nachdem man sie aufforderte zu singen: Pierce Brosnan basste in „Mamma Mia!“, um Meryl Streep zu bezirzen. Es klang einfach nur jämmerlich. Jetzt erwischt es Sparflammen-Arbeiter Daniel Day-Lewis, der seine Leiden zu Tönen macht. Schrecklich, einfach nur schrecklich! Und undankbar. Hätten es beide bleiben lassen, nicht wenig Schmäh ... mehr
Vor polemischen Hieben schreckt Regisseur Werner Boote nicht zurück. Irgendwann fragt er: „Bin ich der Einzige, der vor der Plastik Angst hat?“ Ist er natürlich nicht.
Es gibt so etwas wie Tradition im Genre aufklärerisch-unterhaltender Dok-Filme: Selbstversuche im Burger-Essen, Nagelproben bei Wein und Barsch, und Michael Moore dreht ja auch noch. Boote kommt eindeutig vom Visuellen und hat ein gesundes Sendungsbewusstsein, was ihn nicht – wie ... mehr
Terence McDonagh konnte sich während der Flut von New Orleans als Held beweisen. Doch der Polizist hat sich bei der Rettung eines Ertrinkenden einen Dauerschaden am Rücken zugezogen, der nur mit Schmerzmitteln erträglich ist. Ein Jahr nach dem dramatischen Ereignis ist Terence medikamentensüchtig. Gleichwohl will der Detective den grausamen Massenmord an einer afrikanischen Familie aufklären. Er bekommt den Fall. Doch die größten Probleme hat der ... mehr
Nelson Mandela und die Versöhnung: Clint Eastwoods enttäuschender Film „Invictus – Unbezwungen“
Trotz Fußballweltmeisterschaft in diesem Jahr: Die schönste Nebensache ist in Südafrika Rugby. Jedenfalls im professionellen Bereich. Die Eingangssequenz von Clint Eastwoods Film ist deshalb exemplarisch. Schwarze Kinder kicken auf einem vertrockneten Holperplatz, während sich weiße Jugendliche auf gepflegtem Rasen die Eierkugel zuwerfen. Beide Gruppen halten inne, als sich auf der trennenden Asphaltstraße ein Autotross mit einem Mann nähert, der ... mehr
Kathy aus Marzahn und der Heldenmut: Doris Dörries überfrachteter Film „Die Friseuse“
Manchmal ist es nur eine kurze Ansage, die eine ganze Geschichte ins Rollen bringt. „Unser Beruf ist ein ästhetischer. Und Sie sind nicht ästhetisch“, ist so eine Aneinanderreihung weniger Worte mit großer Wirkung. Kathleen Cieplik bekam sie zu hören, als sie für eine Stelle als Friseurin vorsprach. Beim Haarschnitt erzählte die korpulente Frau aus dem Osten davon ihrer Kundin, Drehbuchautorin Laila Stieler. Die Ansage von der Ästhetik, die ganze ... mehr
Die Deutschen wollen das also auch können: Musikfilme für Teenager. „Rock It!“ orientiert sich offensichtlich an bei der Klientel äußerst beliebten und von Hollywoods Disney keusch produzierten Filmen wie „Camp Rock“ oder „Highschool Musical“. Im Vergleich kommt das deutsche Kinomusical allerdings reichlich bieder und überraschungsarm daher.
An einer Musikakademie bereiten sich die Aspiranten auf ihre Aufnahmeprüfung vor. Unter ihnen ... mehr
Nach den gigantischen Produktionen „Der Herr der Ringe“ und „King Kong“ will Peter Jackson nun wieder kleinere Brötchen backen. Was nicht bedeutet, dass man auf spektakuläre Schauwerte und eine gehörige Portion Nervenkitzel verzichten muss.
Susie Salmon (Saoirse Ronan) ist eine aufgeweckte 14-Jährige, die alles und jeden fotografiert. Durch Zufall gerät dem Mädchen auch jener Mann vor die Linse, der es wenig später in ein Erdloch zerren ... mehr
Mit „An Education“ entführen Lone Scherfig und Nick Hornby ins England der 1960er.
Angeregt plaudert das aparte Schulmädchen (Carey Mulligan) mit Freundinnen auf der Straße. Als es im strömenden Regen den Heimweg antritt, fährt ein attraktiver Mittdreißiger (Peter Sarsgaard) in seinem schnittigen Bristol Roadster im Schritt-Tempo neben der 16-Jährigen her. Belustigt erklärt er, dass er als passionierter Musikliebhaber um ihr Cello besorgt sei. Sie lässt sich auf das ungewöhnliche Angebot ein und läuft neben dem Sportwagen her, während ... mehr
Das Zittern in den Händen verrät den übermäßigen Konsum von Menschenfleisch. Nach einer Katastrophe ist 2044 fast alles Leben auf der Erde ausgelöscht, auch fast alles Essbare. Denzel Washington bahnt sich als Einzelkämpfer den Weg durch die post-apokalyptische Gesellschaft mit der heiligen Mission, diese auf den Pfad der Tugend zurückzubringen.
Er kämpft sich frei durch eine ungemütliche Wüstenlandschaft aus verfallenen Städten und löchrigen ... mehr