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Bühne

Donnerstag, 4. Februar 2010

Thriller, Tricks und nackte Haut

Tom Vörös

Das Hamburger Kammerquartett Salut Salon will mit seinem aktuellen Programm „Klassisch verführt“ in der Komödie Dresden Verwirrung stiften.

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Salut Salon: Vier attraktive Damen wollen klassische Musik mit einer unterhaltsamen Show von jeglichen Klischees befreien. Foto: PR

Angela Merkel, Ursula von der Leyen und Alice Schwarzer haben sich bereits köstlich amüsiert. Das machtvolle Dreiergespann erlebte die vier Streicherinnen von Salut Salon kürzlich bei der Matinee zum 90. Jahrestag der Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland. Die musikalische Untermalung durch das weibliche Quartett hätte kaum passender ausfallen können. Am Sonntag kommen die vier Powerfrauen in die Dresdner Komödie.

Trifft man auf das Gründungsduo von Salut Salon, Angelika Bachmann und Iris Siegfried, dann fällt dieses markante schallende Lachen auf, das locker alles ringsherum übertönt. Die beiden Musikerinnen geben sich keine Mühe, ihr starkes Temperament zu verbergen oder gar zu zügeln. Plötzlich wird klar, warum ein Konzert von Salut Salon vor allem eines bedeutet: Entertainment. Das weibliche Quartett, allen voran Angelika Bachmann und Iris Siegfried, wollen das Eis zwischen Popkultur und Klassik brechen, mit Medleys aus beiden Musiksphären, eigenen Solo-Interpretationen und humoristischem Musik-Kabarett. Die Männerwelt schaut zu, wie Salut Salon eine Stoffpuppe namens Oscar Cello spielen oder das Glockenspiel bedienen lässt.

„Über so eine Puppe können wir Dinge ausprobieren, die man selbst gar nicht könnte“, sagt Angelika. Im Programm „Klassisch verführt“ wird das Plüschtier gar zu Don Giovanni. Ihr aktuelles Programm wechselt zwischen verschiedenen Momenten: Technisch anspruchsvoll, wie in Brahms’ Ungarischem Tanz oder poetisch geht es zu, wie im selbst verfassten „C’est une chanson“, in dem jede der vier singend das Thema in variierenden Sprachen übernimmt.

„Wir haben von Anfang an unsere Nische gefunden“, sagt Iris. Bei Salut Salon gehe es vor allem um den Spaß an klassischer Musik und die Vermittlung über altbekannteste Ohrwürmer ans Publikum. Charakteristisch für das Kammermusikensemble ist das virtuos auf die Kammermusik übertragene „Cross-over“, mit einer Mischung aus Klassik, Rock, Chanson und Folk.

Kleine Späßchen gehören bei jedem Salut-Salon-Konzert dazu. Da wird mal eben „Thriller“ von Michael Jackson zitiert und neben die Filmmusik von „Das Boot“ gestellt, brasilianische Klänge werden von streng klassischen Stücken abgelöst und „An der schönen blauen Donau“ spielen Salut Salon im Liegen, nebeneinander, bäuchlings auf dem Klavier. Und sie lächeln dabei noch ins Publikum. „Wir können uns beim Spielen gegenseitig in die Augen schauen und miteinander auf der Bühne agieren. Jeder ist frei von allem“, so Angelika. Fit halten müssen sich die vier natürlich immer. „Besonders wenn es so virtuos und schnell zugeht, ist das wie Sport“, so Angelika. Das französische Kinderlied „Bruder Jacob“ variieren Salut Salon beispielsweise durch die verschiedens-ten Musikstile.

„Wir sind wahrscheinlich deshalb noch nie wirklich kritisiert worden, weil wir so gut ausgebildet sind.“ Und das sind Salut Salon in der Tat: Alle haben eine fundierte klassische Ausbildung hinter sich. Angelika Bachmann wurde wegen ihrer musikalischen Sonderbegabung durch den Senat der Hansestadt Hamburg zugunsten der Musik vom Schulunterricht befreit. Mit sieben Jahren trat sie als Konzertsolistin mit den Hamburger Sinfonikern auf, war im Fernsehen, gewann zahlreiche erste Bundespreise bei „Jugend musiziert“-Wettbewerben und wurde vom ersten Konzertmeister des NDR-Sinfonieorchesters geschult. „Wenn du nicht so gut bist, dann überlegst du dir meistens etwas anderes“, sagt sie. „Ich glaube wir haben mit Salut Salon eine Marktlücke gefunden, weil wir als gut ausgebildete Klassik-Musikerinnen nicht nur reine Klassik spielen.“

Fast nebenbei studierte sie Germanistik und Philosophie, hätte also auch etwas anderes machen können. Freundin und Kollegin Iris Siegfried war bei „Jugend musiziert“ vorn dabei, sang in verschiedenen Hamburger Chören und A-cappella-Gruppen und absolvierte neben ihrer musikalischen Ausbildung nicht nur ein Jurastudium sondern auch ein Aufbaustudium als Kulturmanagerin. Damit sollte sie sich bestens im Musikgeschäft orientieren können. Jenseits von Salut Salon arbeitet sie als Rechtsanwältin in Hamburg. Komplettiert wird das Quartett durch regelmäßig ändernde Besetzungen: am Violoncello von Sonja Lena Schmid oder Anne-Christin Schwarz sowie am Flügel von Anne von Twardowski, Jennifer Rüth oder Valeria Stab, alle klassisch ausgebildete Musikerinnen mit eigenen Karrieren im Konzertgeschäft.

Regelmäßige Konzerte hätte es in den Anfangsjahren von Salut Salon kaum gegeben. Irgendwann mieteten sich die Salondamen in einen Hamburger Spiegelsaal ein, klebten Plakate, luden die Presse ein und die Erfolgsgeschichte des Kammer-Quartetts nahm ihren Lauf. „Wir machen eigentlich gar keine Salonmusik – die Bezeichnung betrifft nur den Rahmen in dem wir auftreten“, sagt Angelika.

Auf den Konzertreisen ist das Ensemble inzwischen auch in Asien und Amerika unterwegs. So stehen nach der aktuellen Deutschland-Tour, die im November startete, zahlreiche Konzerte in Chile auf dem Programm. Dort, im südamerikanischen Andenstaat, haben Salut Salon bereits Stücke für ein neues Programm einstudiert. Auch in Dresden waren Salut Salon schon des Öfteren, finden die Stadt ausgesprochen schön. Nur an Einzelheiten können sie sich, wie so viele erfolgreiche Künstler, wegen ihrer ständigen Weltreisen kaum erinnern.

Vielleicht liegt Salut Salons Schlüssel zum Erfolg zum Teil darin, dass sie auf eben diesen nie wirklich angewiesen waren und öffentliches Musizieren eher aus dem Spaß heraus entstand. „Am Anfang war das Ganze eigentlich nur ein Running Gag“, sagt Angelika. „Dass wir überhaupt anfingen, Konzerte zu geben war ja schon der Knaller“, wirft Iris ein. „Wir spielten für Leute während sie gegessen haben und immer so laut, dass sie einfach hinhören mussten“, sagt sie.

Salut Salon
7.2., 18 Uhr, Komödie Dresden
Tickets: ab 14 Euro
Hotline: (0351) 866 410




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