Bühne
Mittwoch, 10. März 2010
Eine Pose für die Ewigkeit
Tom Vörös
Die Musik- und Tanz-Show "Thriller Live" zelebriert Michael Jackson als einen der größten Pop-Entertainer.
Multipler Michael: Fünf Tänzer verkörpern in der Show den singenden Entertainer, der mit dem Song „Thriller“ einen der größten Hits der Musikgeschichte landete. Foto: PR
Im Internet
Am Ende hat er mehr verkörpert, als es sein Wesen hergab: Mal war er schwarz, mal weiß, mal zeigte er sich männlich-offensiv, mal weiblich-sensibel, mal tanzte er exzessiv, mal sang er sanft und mal schrie er laut. Spätestens nach seinem plötzlichen Tod im Juni des vergangenen Jahres war es an der Zeit, sich dem Phänomen Michael Jackson mit einer Show zu nähern.
„Für eine solche Show gab es großes Interesse bei den 20- bis 30-Jährigen, den Kindern, die mit seiner Musik aufgewachsen sind“, sagt Adrian Grant. Der Ideengeber und Produzent der Show „Thriller Live“ haucht Jacksons Musik neues Bühnen-Leben ein. Was ihn dafür besonders qualifiziert, ist seine jahrelange Nähe zum „King of Pop“. Bereits vor neun Jahren sprach Grant mit Michael Jackson über eine mögliche Tributshow. „Michael war privat deutlich anders als auf der Bühne, eher wie ein Kind – die Kindheit wurde ihm ja mehr oder weniger genommen“, sagt er. Adrian Grant war auch der erste britische Journalist, der ein Interview mit Michael auf seinem Anwesen in Neverland machen durfte. „Es war damals eine unglaubliche Ehre. Die Neverland Ranch bleibt für mich der wundervollste und ruhigste Platz, den ich je besucht habe. Eine riesige, grüne Landschaft, klassische Musik, gepflegte Blumen-Beete, ein Zoo, eine Kirmes, ein Kino, Säulengänge und ein himmlischer See, den Michael am liebsten von seinem Lieblingsversteck beobachtet hat – einem Baum.“
Einen der bewegendsten Momente mit Michael hätte Grant während einer Reise nach Budapest 1994 erlebt. Gemeinsam mit Lisa Marie-Presley hatte er eine Kinderklinik besucht und Geschenke und Spielzeug verteilt. „Michael zauberte ein Lächeln auf die Lippen eines sterbenden Mädchens, das zuvor wochenlang still und bewegungslos dagelegen hatte. Ihre Mutter, die ihr Tag und Nacht zur Seite stand, brach in Tränen aus, als ihre Tochter plötzlich die Finger ausstreckte, um Michaels Hand zu berühren“, sagt Grant.
Grants Erlebnisse mit Jackson prägen natürlich auch seine Arbeit mit der Show „Thriller Live“. Einer der schwierigsten Aspekte beim Auswählen der Darsteller sei gewesen, Sänger zu finden, die die große Bandbreite von Michaels Liedern bewältigen können. Von Anfang an war Grant klar, dass nicht einer allein Jacksons Rolle übernehmen konnte, sondern dass insgesamt fünf Sänger gebraucht werden. „Es wäre ziemlich vermessen und geschmacklos, wenn wir nur einen Michael auf die Bühne lassen würden“, sagt Grant. „Man kann eben keinen zweiten Michael Jack-son erschaffen.“ Zuerst wurde der junge Michael gecastet. „Wir mussten einen Jungen von elf bis 14 Jahren finden, der engelsgleich singen kann und auch noch perfekt tanzt.“ Einen neuen Kinderstar zu erschaffen, liegt Grant jedoch fern. „Wir achten darauf, dass wir die richtigen Kinder zur richtigen Zeit auswählen. Unsere Kinder führen ja nicht das Leben von Michael Jackson und haben bei Weitem nicht so viel Druck.“ Für besonders markante Songs wie „Beat It“ und „Dirty Diana“ wurde ein weißer, männlicher Rock-Sänger ausgewählt. Zwei ältere Jacksons sollen die Soul- und Pop-Seite von Michaels Werk – Songs von „Rock With You“ bis „Black Or White“ – verkörpern.
„Und wir haben sogar einen weiblichen Jackson. Michael hatte einen Tonumfang von über vier Oktaven. Es gibt nicht viele Sänger, die diesen enormen Stimm-Umfang haben“ sagt Grant. Und so klingen Lieder wie „I’ll Be There“ und „I Just Can’t Stop Loving You“ noch heller als im Original. Zu guter Letzt musste noch ein eigener „King of Pop“ gefunden werden, „einer, der nicht nur singt, sondern auch genauso tanzt wie er, den Moonwalk eingeschlossen. Das ist wahrscheinlich die anspruchsvollste Rolle“, sagt Grant. Seit 2005 versucht er, die Show ständig zu verbessern. Einer der schönsten Momente für Adrian Grant sei die Eröffnungsveranstaltung im Londoner West End im letzten Jahr gewesen. Grant beobachtete, wie Leute in Begeis-terung ausbrachen, die vor der Show noch nicht ahnten, wie sehr sie mit dem Liedgut verbunden sind.
Entsetzen über den Tod
„Zwei Nächte lang konnte ich nicht schlafen und in der ersten Woche konnte ich es, genau wie viele andere auch, überhaupt nicht fassen, dass er tot ist“, sagt Grant. Als Michaels Tod bekannt wurde, überlegten er und sein Team, die Shows für kurze Zeit auszusetzen. „Aber die Reaktionen der Leute waren so positiv, so dass wir unbedingt weitermachen mussten.“ Bereits die oft negative Berichterstattung vor Jacksons Tod machte dem Verehrer Grant zu schaffen. „Viele Leute hatten einfach vergessen was er geschaffen hat als Künstler.“ In den letzten Jahren seines Lebens, die von Gerichtsverhandlungen und Schulden bestimmt waren, sei der Star von vielen Menschen nur noch missverstanden worden. „Es ist traurig, dass viele Medien Michael erst nach seinem Tod den nötigen Respekt zollen.“
Thriller Live
16. und 17.3., jeweils 20 Uhr, Kulturpalast, Dresden
Tickets: ab 37,50 Euro
Hotline: (0351) 48642002
„Für eine solche Show gab es großes Interesse bei den 20- bis 30-Jährigen, den Kindern, die mit seiner Musik aufgewachsen sind“, sagt Adrian Grant. Der Ideengeber und Produzent der Show „Thriller Live“ haucht Jacksons Musik neues Bühnen-Leben ein. Was ihn dafür besonders qualifiziert, ist seine jahrelange Nähe zum „King of Pop“. Bereits vor neun Jahren sprach Grant mit Michael Jackson über eine mögliche Tributshow. „Michael war privat deutlich anders als auf der Bühne, eher wie ein Kind – die Kindheit wurde ihm ja mehr oder weniger genommen“, sagt er. Adrian Grant war auch der erste britische Journalist, der ein Interview mit Michael auf seinem Anwesen in Neverland machen durfte. „Es war damals eine unglaubliche Ehre. Die Neverland Ranch bleibt für mich der wundervollste und ruhigste Platz, den ich je besucht habe. Eine riesige, grüne Landschaft, klassische Musik, gepflegte Blumen-Beete, ein Zoo, eine Kirmes, ein Kino, Säulengänge und ein himmlischer See, den Michael am liebsten von seinem Lieblingsversteck beobachtet hat – einem Baum.“
Einen der bewegendsten Momente mit Michael hätte Grant während einer Reise nach Budapest 1994 erlebt. Gemeinsam mit Lisa Marie-Presley hatte er eine Kinderklinik besucht und Geschenke und Spielzeug verteilt. „Michael zauberte ein Lächeln auf die Lippen eines sterbenden Mädchens, das zuvor wochenlang still und bewegungslos dagelegen hatte. Ihre Mutter, die ihr Tag und Nacht zur Seite stand, brach in Tränen aus, als ihre Tochter plötzlich die Finger ausstreckte, um Michaels Hand zu berühren“, sagt Grant.
Grants Erlebnisse mit Jackson prägen natürlich auch seine Arbeit mit der Show „Thriller Live“. Einer der schwierigsten Aspekte beim Auswählen der Darsteller sei gewesen, Sänger zu finden, die die große Bandbreite von Michaels Liedern bewältigen können. Von Anfang an war Grant klar, dass nicht einer allein Jacksons Rolle übernehmen konnte, sondern dass insgesamt fünf Sänger gebraucht werden. „Es wäre ziemlich vermessen und geschmacklos, wenn wir nur einen Michael auf die Bühne lassen würden“, sagt Grant. „Man kann eben keinen zweiten Michael Jack-son erschaffen.“ Zuerst wurde der junge Michael gecastet. „Wir mussten einen Jungen von elf bis 14 Jahren finden, der engelsgleich singen kann und auch noch perfekt tanzt.“ Einen neuen Kinderstar zu erschaffen, liegt Grant jedoch fern. „Wir achten darauf, dass wir die richtigen Kinder zur richtigen Zeit auswählen. Unsere Kinder führen ja nicht das Leben von Michael Jackson und haben bei Weitem nicht so viel Druck.“ Für besonders markante Songs wie „Beat It“ und „Dirty Diana“ wurde ein weißer, männlicher Rock-Sänger ausgewählt. Zwei ältere Jacksons sollen die Soul- und Pop-Seite von Michaels Werk – Songs von „Rock With You“ bis „Black Or White“ – verkörpern.
„Und wir haben sogar einen weiblichen Jackson. Michael hatte einen Tonumfang von über vier Oktaven. Es gibt nicht viele Sänger, die diesen enormen Stimm-Umfang haben“ sagt Grant. Und so klingen Lieder wie „I’ll Be There“ und „I Just Can’t Stop Loving You“ noch heller als im Original. Zu guter Letzt musste noch ein eigener „King of Pop“ gefunden werden, „einer, der nicht nur singt, sondern auch genauso tanzt wie er, den Moonwalk eingeschlossen. Das ist wahrscheinlich die anspruchsvollste Rolle“, sagt Grant. Seit 2005 versucht er, die Show ständig zu verbessern. Einer der schönsten Momente für Adrian Grant sei die Eröffnungsveranstaltung im Londoner West End im letzten Jahr gewesen. Grant beobachtete, wie Leute in Begeis-terung ausbrachen, die vor der Show noch nicht ahnten, wie sehr sie mit dem Liedgut verbunden sind.
Entsetzen über den Tod
„Zwei Nächte lang konnte ich nicht schlafen und in der ersten Woche konnte ich es, genau wie viele andere auch, überhaupt nicht fassen, dass er tot ist“, sagt Grant. Als Michaels Tod bekannt wurde, überlegten er und sein Team, die Shows für kurze Zeit auszusetzen. „Aber die Reaktionen der Leute waren so positiv, so dass wir unbedingt weitermachen mussten.“ Bereits die oft negative Berichterstattung vor Jacksons Tod machte dem Verehrer Grant zu schaffen. „Viele Leute hatten einfach vergessen was er geschaffen hat als Künstler.“ In den letzten Jahren seines Lebens, die von Gerichtsverhandlungen und Schulden bestimmt waren, sei der Star von vielen Menschen nur noch missverstanden worden. „Es ist traurig, dass viele Medien Michael erst nach seinem Tod den nötigen Respekt zollen.“
Thriller Live
16. und 17.3., jeweils 20 Uhr, Kulturpalast, Dresden
Tickets: ab 37,50 Euro
Hotline: (0351) 48642002







