Ausstellungen
Donnerstag, 2. Februar 2012
(Sächsische Zeitung)
(Sächsische Zeitung)
Motiv und Material
„Ich sehe unzählige Landschaften, fotografiere kaum eine von 100 000, male kaum eine von 100 fotografierten.“ (Gerhard Richter)
Im Internet
Im Februar feiert der in Dresden geborene Gerhard Richter seinen 80. Geburtstag. Aus diesem Anlass widmet das Gerhard Richter Archiv der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden dem Künstler eine Ausstellung in der Kunsthalle im Lipsiusbau. Gezeigt wird der ATLAS des wohl bedeutends-ten deutschen Malers der Gegenwart.
Das Gerhard Richter Archiv wurde 2005 in Dresden ins Leben gerufen; die Leitung liegt in den Händen von Dietmar Elger, Richters langjährigem Assistenten und Biografen. Aufgaben des Archivs sind neben der Erforschung von Leben und Werk des Künstlers auch das Erstellen eines neuen Werkverzeichnisses.
Im Gesamtwerk von Gerhard Richter nimmt der ATLAS eine herausragende Position ein. Er ist sowohl die Grundlage des malerischen Oeuvres als auch ein eigenständiges Werk. Der ATLAS besteht aus annähernd 800 gerahmten Tafeln mit mehr als 15 000 Fotografien, Zeitungsausschnitten, Skizzen und Entwürfen, die Richter seit den frühen 1960er-Jahren für seine Arbeit im Atelier zusammengetragen hat. 1972 hat er dieses Konvolut erstmals geordnet auf Kartons geklebt und unter dem Titel ATLAS präsentiert. Seitdem wurde das Werk von ihm kontinuierlich mit neuen Materialien ergänzt. Der konzeptuelle Charakter des ATLAS bietet einen einmaligen Einblick in den Ideenkosmos des Künstlers und zeigt die Entwicklung zahlreicher Werkideen und den Entstehungsprozess vieler Gemälde.
Der ATLAS begleitet, kommentiert und erweitert das künstlerische Werk von Gerhard Richter und entwickelt auf zahlreichen Tafeln eigene Perspektiven und Fragestellungen. Richter reflektiert hier nicht nur das eigene Werk, sondern auch die alltägliche Bilderwelt, die er in tausenden, selbst angefertigten Fotografien dokumentiert. 1986 notiert er sich dazu: „Ich sehe unzählige Landschaften, fotografiere kaum eine von 100 000, male kaum eine von 100 fotografierten.“ Dieser fotografierte, allerdings „ungemalt“ gebliebene und scheinbar unerschöpfliche Bilderstrom findet im Ordnungsgefüge des ATLAS eine Konzentration für Richters weitere Arbeit. Und tatsächlich hat er für einige Gemälde auf mehr als ein Jahrzehnt alte Motive aus dem ATLAS zurückgegriffen.
Die ersten 15 Tafeln im ATLAS zeigen übrigens Fotografien aus privaten Familienalben und aus Zeitungen und Zeitschriften, Werbeprospekten und Kalendern. Der Künstler selbst als Kind ist darauf zu sehen, seine Eltern, Verwandte und die Familie seiner späteren Frau. 1997 wurde der ATLAS auf der documenta X, der wichtigsten Ausstellung für zeitgenössische Kunst, in Kassel gezeigt und in einem Bildband dokumentiert.
Dieses Künstlerbuch versteht Gerhard Richter selbst weniger als Dokumentation der Ausstellung, sondern als eine zweite, alternative Präsentation, die eine zusätzliche Auseinandersetzung mit dem Material ermöglicht. (FiD)
Gerhard Richter. ATLAS
4. Februar-22. April, Di.-So. 10-18 Uhr
Kunsthalle im Lipsiusbau, Dresden
Tickets: Eintritt 6/3,50 Euro, bis 16 Jahre frei
Hotline: 0351 49152000
Das Gerhard Richter Archiv wurde 2005 in Dresden ins Leben gerufen; die Leitung liegt in den Händen von Dietmar Elger, Richters langjährigem Assistenten und Biografen. Aufgaben des Archivs sind neben der Erforschung von Leben und Werk des Künstlers auch das Erstellen eines neuen Werkverzeichnisses.
Im Gesamtwerk von Gerhard Richter nimmt der ATLAS eine herausragende Position ein. Er ist sowohl die Grundlage des malerischen Oeuvres als auch ein eigenständiges Werk. Der ATLAS besteht aus annähernd 800 gerahmten Tafeln mit mehr als 15 000 Fotografien, Zeitungsausschnitten, Skizzen und Entwürfen, die Richter seit den frühen 1960er-Jahren für seine Arbeit im Atelier zusammengetragen hat. 1972 hat er dieses Konvolut erstmals geordnet auf Kartons geklebt und unter dem Titel ATLAS präsentiert. Seitdem wurde das Werk von ihm kontinuierlich mit neuen Materialien ergänzt. Der konzeptuelle Charakter des ATLAS bietet einen einmaligen Einblick in den Ideenkosmos des Künstlers und zeigt die Entwicklung zahlreicher Werkideen und den Entstehungsprozess vieler Gemälde.
Der ATLAS begleitet, kommentiert und erweitert das künstlerische Werk von Gerhard Richter und entwickelt auf zahlreichen Tafeln eigene Perspektiven und Fragestellungen. Richter reflektiert hier nicht nur das eigene Werk, sondern auch die alltägliche Bilderwelt, die er in tausenden, selbst angefertigten Fotografien dokumentiert. 1986 notiert er sich dazu: „Ich sehe unzählige Landschaften, fotografiere kaum eine von 100 000, male kaum eine von 100 fotografierten.“ Dieser fotografierte, allerdings „ungemalt“ gebliebene und scheinbar unerschöpfliche Bilderstrom findet im Ordnungsgefüge des ATLAS eine Konzentration für Richters weitere Arbeit. Und tatsächlich hat er für einige Gemälde auf mehr als ein Jahrzehnt alte Motive aus dem ATLAS zurückgegriffen.
Die ersten 15 Tafeln im ATLAS zeigen übrigens Fotografien aus privaten Familienalben und aus Zeitungen und Zeitschriften, Werbeprospekten und Kalendern. Der Künstler selbst als Kind ist darauf zu sehen, seine Eltern, Verwandte und die Familie seiner späteren Frau. 1997 wurde der ATLAS auf der documenta X, der wichtigsten Ausstellung für zeitgenössische Kunst, in Kassel gezeigt und in einem Bildband dokumentiert.
Dieses Künstlerbuch versteht Gerhard Richter selbst weniger als Dokumentation der Ausstellung, sondern als eine zweite, alternative Präsentation, die eine zusätzliche Auseinandersetzung mit dem Material ermöglicht. (FiD)
Gerhard Richter. ATLAS
4. Februar-22. April, Di.-So. 10-18 Uhr
Kunsthalle im Lipsiusbau, Dresden
Tickets: Eintritt 6/3,50 Euro, bis 16 Jahre frei
Hotline: 0351 49152000








